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Hintergründe zur Geschichte des Kletterns an der Biwakwand

erschienen in "Der Neue Sächsische Bergsteiger" Ausgabe 2/2015

Klettern_an_der_Biwakwand_1962

Klettern_heute

Klettern an der Biwakwand gestern und heute: Links Bernd Victor 1962 an der Biwakwand. 50 Jahre später ist der nach Bernd Victor benannte Weg "Victor" an der Biwakwand eine beliebte Kletterroute. Den heute ca. 20m hohen Wald im Tal gab es damals noch gar nicht. (Foto links: Archiv Zumpe, Foto rechts: Mike Jäger)

An der Biwakwand wird nachweislich seit 1959 geklettert und bis kurz nach der Wende gab es dabei stets ein gutes Verhältnis zwischen Grundstückseigentümer und Bergsteigern. Als der NABU Freiberg/Brand-Erbisdorf e.V. das Grundstück an der Oberen Grabentour 1993 mit Fördermitteln des Sächsischen Umweltministeriums erwarb, war die Biwakwand bereits ein sachsenweit beliebtes Kletterziel und die Haken zur Sicherung der Kletterer steckten seit vielen Jahrzehnten in der Wand.

Schon 1995 wurden, wie vor ein paar Wochen, in einem zeit- und lärmintensiven Einsatz zur Brutzeit im Frühjahr sämtliche Sicherungsmittel an der Biwakwand zerstört. Ziel der Gruppe um Tobias Mehnert, dem Wortführer der damaligen NABU-Ortsgruppe Freiberg und des heutigen Naturschutzverbandes Sachsen e.V., war es, Wanderer und Kletterer für immer aus dem Bobritzschtal zu vertreiben. Heute wie damals wird dieses Ansinnen weder von Behörden, noch der Gemeinde Halsbrücke und geschweige denn von Vertretern des Tourismus unterstützt.

Der an die illegale Entfernung der Haken anschließende Rechtsstreit wurde 1997 mit einem Schreiben des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) beendet. In diesem Schreiben "gelangt […] das Regierungspräsidium Chemnitz zu der Feststellung, dass das Klettern an der Biwakwand in der bisherigen Art und bisherigem Umfang keine weitergehende beeinträchtigende Wirkung hat […] das Biotop hat seinen jetzigen Zustand seit gut 30 Jahren trotz des Felskletterns im Wesentlichen beibehalten". Kurzum: Das Klettern an der Biwakwand ist aus naturschutzbehördlicher Sicht unbedenklich.

So konnten die Bergsteiger auch weiter an diesem wunderschönen und familienfreundlichen Ort ihrem Sport nachgehen. In den letzten 10 Jahren hat der Grundstückseigentümer den Bergsteigern weder Gesprächsbedarf signalisiert noch gab es von Behördenseite Sperrungen aus naturschutzfachlichen Gründen – auch keine zeitlich befristeten. Als dann Anfang März 2015 erneut, ohne vorherige Information und ohne dies vor Ort kenntlich zu machen, alle Sicherungsmittel entfernt wurden, führte dies fast zu einem Unfall: Ein Kletterer aus Freiberg bemerkte erst in halber Wandhöhe, dass die Haken, die er zu seiner Sicherung gegen Absturz einhängen wollte, fehlten. Nur durch Umsicht und überlegtes Zurücksteigen erreichte er wieder unverletzt den Boden.

Der Vorstand des SBB hat Kontakt zum Naturschutzverband Sachsen aufgenommen, doch leider blieb die Anfrage mit der Bitte um ein gemeinsames Gespräch bisher unbeantwortet.

Tom Ehrig und Lutz Zybell

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